vom 04.10.2007 um 21:12 Uhr von Frank | Trackback URL
Kategorie(n): Apple | 3943x gelesen

Ich kenne eine Menge Leute, die z. Zt. noch auf G4- und G5-Rechnern arbeiten. Immer wieder stellt sich in letzter Zeit die Frage, wann ein guter Zeitpunkt für einen Rechnertausch ist, der die nächsten 3-4 Jahre abdeckt. Tja, so richtig einfach fällt mir eine Empfehlung im Moment nicht. Das hat nicht etwa ausschliesslich etwas mit dem bisherigen Nichterscheinen von Leopold zu tun (hier ist es sicher besser wie immer abzuwarten, bis alle Hersteller ihre Software kompatibel gemacht haben, Adobe hat z. B. schon Probleme angekündigt) – nein, die Macs selbst machen konkrete Empfehlungen schwer.

Gehen wir von einem “normalen” freiberuflichen Art-Direktor aus, sieht der Arbeitstag folgendermassen aus:

  • die Adobe Creative Suite ist das Hauptwerkzeug
  • Bildrecherche und Auswahl via Browser/Tools
  • administrativer Businesskram mit Office/iWork/Mail etc.

Wenn man sich auf die Desktops beschränkt, stehen folgende 3 Modellreihen zur Auswahl. Was hat Apple uns anzubieten:

Mac Pro

Dieser Rechner ist mit seinen 4 Rechnenkernen m. E. nach völlig überdimensioniert. Die Adobe-Anwendungen sind auch in der CS3 nur punktuell bei einigen Filtern für symmetrisches Multiprocessing (SMP) optimiert. Führt man den ganzen Tag radiale Weichzeichnungsfilter aus, ist der Mac Pro das ideale Werkzeug, arbeitet man jedoch parallel in Photoshop, Indesign und Illustrator (was wohl eher einer üblichen Nutzung entspricht), darf sich jeder Prozessorkern abwechselnd über ausgedehnte Kurzurlaube freuen.
Dazu kommen das Glücksspiel, einen Rechner zu ergattern, der nicht stinkt. Vor drei Tagen war ich übrigens bei einem örtlichen Händler und habe meine Nase mal an das Netzteil eines ausgestellten Mac Pro gehalten – der war auch ein Stinkekandidat. Wenn dieser Rechner nicht ein paar Monate beim Zwischenhändler rumstand kann man davon ausgehen, dass immer noch stinkende Mac Pro das Band verlassen.

Unabhängig davon ist der Mac Pro natürlich eine feine Maschine für all jene, die mit Bewegtbildern zu tun haben und/oder mit mehreren Displays arbeiten.

iMac

Nicht nur der nicht per Option änderbare Glossy-Bildschirm des iMacs disqualifizieren diesen Rechner für einigermassen ernsthaft gemeinte Bildbearbeitung und Reinzeichnung – das billige TN-Panel des 20” iMacs tut sein Übriges dazu. Der 24” hat zwar ein besseres Panel, spiegelt aber nicht weniger. Ich persönlich will mir ehrlich gesagt keine Gedanke darüber machen, wie ich den Rechner und die Möbel aufstelle, um einigermassen arbeiten zu können.

Mac mini

Klingt grotesk, aber der Mac mini ist im Moment meiner Meinung nach der empfehlenswerteste Rechner. Ausgereift und als Core2Duo mit jeder Menge Rechenpower ausgestattet empfiehlt sich der mini etwas modfiziert für ebenjenes Anwendungprofil: Eine schnellere Platte mit 250 GB und 3 GB RAM schaffen in Verbindung mit einem hochwertigen Monitor eine fast perfekte Kombination zum täglichen Arbeiten. Dabei ist das Gerät recht leise und äusserst sparsam (ca. 50 Watt Leistungsaufnahme unter Vollast). Als Kritikpunkt habe ich nur die fehlende FW800-Schnittstelle zu bemängeln, die aufgrund der einzigen internen Platte sehr wünschenswert wäre. Für den Patzer mit der RAM Beschränkung von 3 GB kann Apple nichts, den Schuh muss sich Intel anziehen.

Fernab der Positionierung des Minis als “Einstiegsrechner” aus Marketingsicht: Ich habe hier noch einen älteren 1.66 CoreDuo stehen und die Rechenleistung in Photoshop ist mit meinem Powermac G5 Dual mit 2.5 GHz vergleichbar und mit dem bin ich die letzten Jahre gut zurecht gekommen.

Mittlerweile ist die Technologie an einem Punkt angekommen, an dem die Produktivität des Menschen nicht mehr linear mit steigender CPU Geschwindigkeit mitskaliert, sprich alle aktuellen Rechner warten mehr auf uns als wir auf sie. Somit wird der “Einstiegsrechner” zum Profiwerkzeug.

Was wäre aus Anwendersicht wünschenswert?

Ja, ich weiss, draussen wünschen sich eine Menge Menschen eine Menge Dinge von Apple, z. B. mehr Engagement für’s Zocken oder im Wochentakt neue Notebooks. Mir sind diese Themen ziemlich gleich, allerdings erlaube ich mir Wünsche zu formulieren, die für die so genannten “Pro User” Sinn machen würden – und Apple umgarnt/benennt/bewirbt diese Zielgruppe gezielt:

  • einen Mac Pro mit nur 2 Kernen
  • einen iMac mit Option “non-glossy”
  • einen Mac mini mit Santa Rosa (4 GB RAM) und FW800

Ein Satz noch: Dieser (zugegebenermassen lange) Beitrag spiegelt meine ganz persönliche Sichtweise wider, die auf meinen eigenen und angetragenen Erfahrungen beruht. Bei meinen Betrachtungen sind spezielle Nutzerprofile explizit ausgeklammert (z. B. reine Postpro-Dienstleister, Videocutter, Sound- und 3D Artisten).

 

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> Geschrieben von Matt am 05.10.2007 um 09:43

> Das hat nicht etwa ausschliesslich etwas mit dem bisherigen Nichterscheinen von Leopold zu tun

Leopold?

 

2

> Geschrieben von Frank am 05.10.2007 um 09:48

10.5 aka Leopard wink

Sagmal Matt, wo Du gerade hier herumturnst: Du hast doch als Early Adopter eine der neuen Tastaturen. Eigentlich wollte ich dazu auch noch ein paar Worte im Beitrag schreiben, habe es aber vergessen.

Nach einigen Testtippereien kann ich mir nicht vorstellen, dass man damit gut arbeiten, speziell vieltippen, kann. Mir fehlt der Druckpunkt und die (gewohnte) haptische Trennung der flachen Tasten.

Ich werde wohl noch 2 weisse Pro Keyboards kaufen...

Was sagst Du nach ein paar Wochen Benutzung dazu?

 

3

> Geschrieben von susanne am 05.10.2007 um 09:49

Ich bin auch ziemlich enttäuscht über das neue Apple Angebot. Hatte mich schon so auf einen iMac gefreut. Wenn nur das doofe Spiegeldisplay nicht wäre, hätte ich den schon längst gekauft... Ich warte immerhin schon seit einem halben Jahr auf den Sch... neuen iMac und nun das!!

 

4

> Geschrieben von Chris am 14.10.2007 um 09:14

Hallo! Ich bin kein Art-Director - ich erstelle Layouts und Designs, meist Anzeigen oder spezielle Logos etc. Ich arbeite seit nicht ganz einem Jahr auf einem Mac Book Pro 2,33 C2D, 3 GB Ram und X1600 mit 256 MB. Deine Empfehlung des Mac Minis kann ich nachvollziehen,.. habe nur nie so gedacht. Da der Apple User und der Deutsche ansich natüüürlich immer auf die Pro Geräte oder zumindest die besseren Consumer-Geräte abzielt.

Ich habe mit meinem Mac Book Pro eine gute Alternative. Kann stark Arbeiten. Alle wichtigen Programme liegen via FW800 auf schnellen Platten. Ebenso die Daten! Es sieht nett aus wenn mal ein Kunde reinschaut,.. und das Mac Book Pro hat mir in fast 11 Monaten nicht ein Problem bereitet. Anders als die Aktuellen.

Chris.

 

5

> Geschrieben von Frank am 14.10.2007 um 14:49

Hi Chris,

ich finde auch, dass die MBP gute Geräte sind, wir haben selber oft auf den Powerbooks gearbeitet, vor allem im Ausland waren die praktisch.

Allerdings kaufe ich ungern ein relativ teures Gerät, dass nicht meinem Nutzerprofil entspricht (oder empfehle das anderen). Und einige der Leute, die ich kenne, brauchen zumindest einigermassen farbverbindliche Bildschirme - die aktuelle LED-Generation ist m. E. davon ziemlich weit weg. Mir sind die Farben zu "neonröhrenmässig" und der Gelbstich beim Schauen von der Seite ist nicht zu übersehen.

Dann lieber den Mac mini und einen hochwertigen Monitor, z. B. Eizo.

Und ich glaube auch, dass viele den mini gar nicht in Betracht ziehen, da der als Einstiegsrechner vermarktet wird. Ein Apple-Angestellter erzählte mir neulich, dass man mit dem Rechner nicht in Photoshop arbeiten kann...

 

6

> Geschrieben von Henning am 23.10.2007 um 15:23

Zum Thema Farbverbindlichkeit der Mac Book Pros:

Wenn man das MBP jetzt an einen guten Monitor anschließt sobald man stationär arbeitet hat man eine gute Farbwidergabe und die Mobilität ist auch gegeben.

So kann man gut Kundenpräsentationen vor Ort machen und hat gleichzeitig ein gutes Gerät, wenn man stationär arbeitet.
Mag etwas unkonventionell zu sein, aber geht gut.

 

7

> Geschrieben von hans am 24.10.2007 um 13:56

der mac mini als profi-rechner? soll wohl ein witz sein.
btw. CRTs sind auch "glossy". hab ich jahrelang dran gearbeitet.

 

8

> Geschrieben von Frank am 24.10.2007 um 14:06

Nein, ist kein Witz. Aber Du musst ihn Dir auch nicht kaufen bzw. meine Meinung teilen. Ausserdem dachte ich, dass das Nutzungsprofil für den Mini ganz klar im Beitrag umrissen war. Nicht zuende gelesen?

 

9

> Geschrieben von Steffen am 01.11.2007 um 01:04

Ich muss ebenfalls Hans widersprechen. Ich habe jetzt lange beruflich als Web- und Multimedia-Entwickler an einem PPC MacMini gearbeitet: bis auf den schlechten VGA-Ausgang und dem fehlenden zweiten Monitoranschluss ein feines Gerät: leise, kompakt und sehr sparsam.
Mir fehlt in der obigen Auflistung trotzdem noch etwas: ein erweiterbarer Computer ohne Monitor preislich zwischen MacMini und iMac. Als Entwickler, Bildbearbeiter oder Layout wünscht man sich doch oft einen zweiten Monitor. Große Displays haben immer Probleme mit der gleichmäßigen Ausleuchtung und natürlich mit dem Geldbeutel. Also nutzt man lieber einen 20er + Zusatzmonitor für die Paletten. Der MacMini hat keinen zweiten Ausgang, beim iMac bezahle ich ein schlechtes Display und beide Rechner sind nicht wirklich erweiterbar. Die Vorteile des kompakten Geräts und des geringen Stromverbrauchs schwinden mit jeder weiteren externen Platte, die wieder ein eigenes Netzteil und oft einen eigenen Lüfter mitbringt. (Mein externes Laufwerk war deutlich lauter als mein MacMini). Also Apple: her mit dem erweiterbaren Rechner in der Preis- und Leistungsklasse der Normalsterblichen.
Den Beitrag finde ich sehr schön abgewogen und wunderbar entfernt von der Plusterei und den "Ketzer"-Rufen der "Fanboy"-Ecke.

 

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> Geschrieben von Frank am 01.11.2007 um 10:58

Ich sitze seit Montag an einem 2 GHz Mini und das Teil geht hervorragend. Schneller und leiser als mein alter dualer G5 und ich habe es sogar hinbekommen, mit 2x 24" an dem Gerät zu arbeiten smile

 

11

> Geschrieben von Steffen am 01.11.2007 um 13:39

Wie schließt du die 2 Monitore an? Matrox DualHead2GO? Hatten wir in der Firma, fand ich für mich aber keine tolle Lösung. Oder gibt es noch eine andere Lösung?

 

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> Geschrieben von Frank am 01.11.2007 um 13:42

Ja, den Screenrecycler: http://www.screenrecycler.com

Funktioneirt auch unter Leopard smile

 

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> Geschrieben von Steffen am 01.11.2007 um 14:22

Das ist aber eine laute bzw. stromfressende Lösung... An was für einem Rechner hängt das zweite Display? Gibt es nicht auch eine kostenlose Software dafür? Irgendwo hatte ich noch einen Link dazu. ist vermutlich auf dem Rechner meines Ex-Arbeitgebers geblieben...

 

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> Geschrieben von Frank am 01.11.2007 um 14:28

Wieso stromfressend? Man kann doch beliebige Rechner nehmen, ich habe hier einen 2. Mini als Screenrecylcer Klient eingerichtet. Mit 40 W + 40 W (unter Vollast, also eher weniger) ist die Lösung immer noch stromsparender als ein Mac Pro im Idle Modus cheese

Kostenlose Software kenne ich nicht, wahrscheinlich meinst du Teleport, aber das ist nur für Tastatur und Maus an 2 Rechnern...

 

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> Geschrieben von Steffen am 01.11.2007 um 20:37

Na, das nenne ich eine feine Lösung wink
Nun nach einiger Suche nach der Freeware-Lösung stelle ich fest, dass ich mich geirrt habe. Was mir im Kopf herum geisterte war Synergy, aber das hat nix mit Dual-Monitor zu tun...
Auf jeden Fall hat mich dein Beitrag dazu gebracht, doch nochmals über eine MacMini-Lösung nachzudenken.

 

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